Vogelfutterhanf-Keimling: Dieses Hanfpflänzchen hatte kein langes Leben.

Dieser Vogelfutterhanf-Keimling hatte ein kurzes Leben.

Aber auch Medizinal-Hanf darf von Patienten nicht im eigenen Garten angepflanzt werden.

 

 

 

Seit 9. März 2017 ist es in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen möglich, dass ein Arzt seinem Patienten Hanf / Cannabis als Medizin verschreiben kann, ohne einen Antrag bei einer übergeordneten Institution stellen zu müssen. Lediglich die Krankenkasse benötigt einen ausgefüllten Antrag (bzw. Fragebogen), wenn sie die Kosten übernehmen soll (dazu ist sie nicht in jedem Fall verpflichtet).

Welche Krankheiten können mit Cannabis behandelt werden? Ausschließlich schwerwiegennde Erkrankungen! Der Deutsche Hanfverband beantwortet hier ein paar Fragen. Die Bundesärztekammer hat ebenfalls ein paar Punkte zusammengestellt, sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)„Eine Krankheit ist schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt", heißt es in §33 der Arzneimittel-Richtline (AM-RL, Stand: 6. April 2017).

Allgemein herrscht momentan aber noch große Unsicherheit - sowohl auf Seiten der Patienten, als auch auf Seiten der Ärzte. Wen wundert's?! Haben doch die Hanfgegner über Jahrzehnte hinweg erfolgreich Anti-Werbung für Hanf gemacht. Ärzte haben oftmals weder die Zeit, noch das Interesse, sich mit dem neuen Medikament auseinanderzusetzen. Hanf steht eben für "Droge", "Finger weg!" und "verboten", nicht für "Medizin" und "Heilen". Und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich das "im Großen" all zu schnell ändert. Die Bundesregierung hat zwar angekündigt, Fortbildungen für Ärzte zu diesem Thema anzubieten, aber da müssen die Ärzte ja erst einmal hingehen ... Das heißt aber nicht, dass sich gar nichts ändert!

Es ist in jedem Fall ratsam, sich als Patient bei Interesse selbst zu informieren. Auch wenn Ärzte sich nicht gern belehren oder reinreden lassen - von allein werden manche nichts unternehmen. Und dann heißt es freundlich nachhaken, erklären, Überzeugungsarbeit leisten ...

Seriöse, aussagekräftige Artikel, Studien, Bücher und Internetseiten parat zu haben, ist sicherlich auch hilfreich. Wer bereits weiß, dass ihm Cannabis hilft, sollte das eigentlich dem Arzt mitteilen. In Deutschland besteht die ärztliche Schweigepflicht und ein Arzt sollte am ehesten verstehen, dass Patienten, die unter einem hohen Leidensdruck stehen, bereit sind, natürliche Medikamente auszuprobieren, die helfen könnten - auch wenn sie bis März 2017 nur mit Ausnahmegenehmigung und jetzt nur mit ärztlichem Rezept legal genutzt werden durften / dürfen. Allerdings gibt es auch Patienten, die berichten, dass man es tunlichst vermeiden sollte, von bisherigen Eigentherapie-Versuchen zu berichten, da einige Ärzte all zu schnell eine Cannabis-Abhängigkeit diagnostizieren. Dann hat es der Patient schwer, jemals Cannabis verschrieben zu bekommen - auch wenn die Diagnose falsch ist.

 

Sollte sich die Krankenkasse weigern, die Kosten zu übernehmen, hier ein paar Tipps bezüglich Widerruf und den Begriff des "Austherapertseins": Chancen im Widerspruchsverfahren (anwalt.de)

Hilfreich ist es in einigen Fällen vielleicht auch, zu wissen, worauf der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) schaut, wenn er von den Krankenkassen um eine Beurteilung einer gewünschten Cannabis-Therapie gefragt wird: Begutachtungsanleitung (Richtline des GKV-Spitzenverbandes nach § 282 SGB V - vom 29. August 2017)

 

Als völlig legal - und ohne Umweg über Arzt oder Apotheke zu erwerben - galten lange Zeit (Nutz-)Hanfblütentees und einige Hanfextrakte (also Nahrungsergänzungsmittel wie CBD-Öl) mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 %. Das sieht mittlerweile (z.B. dank Novel Food-Verordnung) etwas anders aus: Gründerszene-Artikel über legale und illegale CBD-Produkte (08.03.2019). Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte hierzu folgende Stellungname (20.03.2019): "Cannabidiol (CBD) in Lebensmitteln".

Nutzhanftees wurden im Jahr 2018 zudem hie und da von der Polizei beschlagnahmt - die aktuelle Gesetzeslage ist hier leider nicht ganz eindeutig und wird unterschiedlich ausgelegt. Wer selbst anbauen darf, ist klar im Vorteil ... aber wer darf das schon (siehe Rubrik "Nutzhanf"). Am 28.01.2020 wurden die ersten Nutzhanf-Händler verurteilt. Sie verkauften CBD-Tees und andere Hanfprodukte. Der Richter sah hier einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und verhängte Strafen von 7 bzw. 9 Monaten auf Bewährung.

 

Unabhängig davon gilt: Enthält eine Nutzhanfsorte (z.B. Finola) viel CBD (Cannabidiol), kann sie möglicherweise genauso gut helfen wie THC-Hanfsorten. Das kommt auf die jeweilige Krankheit und den Patienten an. Es gibt auch CBD-Produkte, die vom Arzt verschrieben werden müssen, die dann aber auf Rezept erhältlich sind.

 

 

 

Empfehlenswerte Texte über Hanf als Medizin gibt's z.B. hier:

 

Leafly.de - Das Wissenportal über Cannabis als Medizin (interessant hier: LeaflyMap mit Adressen) - Anmerkung: viele Leafly.de-Artikel sind mittlerweile weniger gut recherchiert, zudem stellt die Seite momentan die aktuelle Berichterstattung ein

Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM oder ACM)

ACM - Patiententelefon für Fragen rund um das Thema Cannabis als Medizin - betreut u.a. von Maximilian Plenert

besserlebenmitcannabis.de - Besser Leben mit Cannabis - Seite betreut von Maximilian Plenert

Maximilian Plenert hat ein für Patienten hilfreiches Buch veröffentlicht (April 2019): "Cannabis als Medizin: Praxis-Ratgeber für Patienten, Ärzte und Angehörige"

 Ratgeber / Broschüren über den DHV (Deutscher Hanfverband) bestellen

Selbshilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)

Hanf Magazin

Hanf Journal

Deutsches Ärzteblatt

Cannabis Medic Forum

 

 

Deutscher Hanfverband über das vorläufige Ende der Verhandliungen über niedrigere Preise von Hanfblüten, Hanfextrakten und Dronabinol: "Gesetzliche Krankenkassen und Apotheker einigen sich" (4/2020)