Rotkäppchen mit Weinglas und Hanfblatt. Warum bringt Rotkäppchen der Großmutter im Märchen Wein zur Stärkung. Wein als Medizin? Hanf wäre doch die bessere Alternative!
Unrealistisch: Rotkäppchen bringt der kranken Großmutter Wein und Kuchen zur Stärkung. Alkohol? Besser wäre Hanf gewesen.

 

 

Das Hanfdilemma

 

 

In einem von Bernds Postkartenstapel der vergangenen Jahr(zehnt)e fand sich eine Karte mit fressender Kuh im Hanffeld. Die hatte er mal gekauft, weil er das Foto witzig fand. Und irgendwie verboten. Die Karte "roch" ein bisschen nach Revolte und Revolution. Eine Karte mit verschwenderisch blühenden Rosen war bestimmt auch dabei. Oder irgendwas mit Margeriten, Schmetterlingen, Tautropfen oder Schneeflocken. Aber daran kann sich Bernd nicht erinnern. Vergessen. Weg. Die Hanfkarte kennt er noch genau. Aber nicht deshalb, weil Hanf an sich eine besonders tolle Pflanze ist – das wusste er damals noch nicht. Sondern weil Hanf verboten ist. Zumindest teilweise.

 

Dabei war Hanf mal eine gewöhnliche Pflanze. Wie Klee, Weizen, Huflattich oder was auch immer Brennnesseln Knollenblätterpilze. Keiner kam auf die Idee, ihn irgendwo rauszureißen oder gar komplett zu verbieten.

 

»Wie ist das denn jetzt mit dem Hanf?«, fragt sich Bernd. »Wann spricht man eigentlich von Hanf und wann von Cannabis

 

Eigentlich ist es ganz einfach: Cannabis ist der lateinische Name der Pflanze und meinte ursprünglich das Gleiche wie Hanf. Aber der Begriff wird oftmals synonym für Drogen- bzw. Medizinalhanf verwendet. Nur wenn doch schon Nutzhanf, der keinen Rausch verursacht und in Deutschland vom Bauern  angebaut werden darf, medizinisch genutzt werden kann Wo ist hier noch der Unterschied? Bernd nimmt sich vor, jetzt immer Hanf zu sagen, weil das Wort einfach netter und weniger verboten klingt.

 

Bernd informiert sich. Was kann man eigentlich noch alles aus Hanf herstellen? Neben Haschisch und Marihuana Kleidung Nahrung Baustoffe Autos Autos? Vielleicht kann man sogar Energie daraus machen, wenn man das Zeug nach der Ernte in einer Biogasanlage abliefert. Hm … Wie schade, dass das keiner weiß und dass Bernd keinen fragen kann. Dabei kommt er vom Land, wo täglich ein Dutzend Traktoren durch die Gegend tuckern. Schade, dass Bernd noch nie ein Hanffeld gesehen hat. Wie schön wäre es doch, wenn Hanf eine ganz normale Pflanze wäre … wie Klee, Weizen, Huflattich oder was auch immer … Brennnesseln … Knollenblätterpilze … ganz normal halt.

 

Bernd könnte durchaus damit leben, wenn die Leute das Hanfblatt komplett langweilig fänden und nicht immer merkwürdig grinsen würden, wenn man von Hanf, also von Cannabis spricht … Und wenn die doofe Nachbarin seiner Großeltern sich darüber aufregen würde, dass die dämlichen Blattläuse immer die Hanfpflanzen im Vorgarten anknabbern. Aber die ruft ja schon die Polizei, wenn sie Hanf nur riecht. Dass auf einem Weinfest in aller Öffentlichkeit Wein getrunken wird, findet sie aber völlig normal.

 

 

Hanfverband - Beitrag über Nutzungsmöglichkeiten von Hanf

 

3sat-Film (4:56 min): "Warum wurde Cannabis verboten?"

 

orange-Artikel (Handelsblatt): "So kam es zum Cannabis-Verbot in Deutschland"

 

funk - "Dinge Erklärt - Kurzgesagt", Film über Gründe einer Cannabis-Legalisierung: "3 Gründe, warum Cannabis verboten bleiben sollte"

 

Hanfblatt

Warum Bernd Hanf komplett legalisieren will?

 

Das Verbot von THC-Hanf hält die Menschen nicht davon ab, weiterhin zu konsumiren.

 

Da es für Jugendliche gefährlich ist, Cannabis zu konsumieren, bringt ein Verbot, das nichts bringt, erstrecht gar nichts. Besser wäre es, die Konsumenten nicht länger als Verbrecher zu behandeln, sondern stattdessen frühzeitig über Risiken aufzuklären und - wenn Probleme auftreten, direkt zu helfen. Diejenigen, die Drogen an Jugendliche verkaufen, sind die eigentlichen Verbrecher.

 

Die Polizei könnte sich den wirklich wichtigen Dingen und den wirklich bösen "Bösen" zuwenden.

 

Weniger Polizeieinsätze = geringere Kosten. Es geht ja nicht um Verkehrskontrollen. Die würden natürlich bleiben. Aber so ein Hubschraubereinsatz (um aus der Luft oder mittels Wärmebildkameras selbst winzige "Hanfanbaugebiete" aufzuspüren) kostet Unsummen. Genauso wie großangelegte Razzien, die selten mehr als eine Handvoll kleine Kiffer aufspüren (also meist nur Konsumenten).

 

Wenn legelisiert wird, sinken die Preise für die derzeit überteuerten Blüten. Niedrigere Preise bedeuten weniger Beschaffungskriminalität.

 

Den Schwarzmarkt gäbe es auch nach dem Legalisieren? Wenig glaubhaft. Und wenn, dann doch mit kontrolliert-zertifiziertem THC-Hanf aus der Apotheke oder aus dem Cannabis-Fachgeschäft.

 

Wer jugendliche Konsumenten als Verbrecher abstempelt, verbaut ihnen erstrecht ein sorgenfreies, selbstbestimmtes Leben. Mit einem entsprechenden Eintrag im Führungszeugnis gestaltet sich die Jobsuche mehr als schwierig. Wer keinen Job findet ...

 

Wer erwachsene Konsumenten als Verbrecher abstempelt ... ist selbst ein Verbrecher. Oder doof.

 

Das Verbot von Cannabis verharmlost legale Stoffe wie Alkohol, Tabak oder Tabletten / Arzneimittel. Was erlaubt ist, muss ja harmlos sein, sonst wäre es doch verboten ... oder nicht?! Zucker macht in größeren Mengen krank, kein Mensch käme aber auf die Idee, ihn zu verbieten. Bisher gibt es auch keine Kennzeichnung ungesunder (weil übersüßer) Lebensmittel. Für zuckerhaltige Produkte, für Alkohol oder Tabakprodukte darf geworben werden. Bei Medizinalhanf ist es hingegen nicht einmal erlaubt, auf den Hersteller- / Händerseiten die Wirkstoffe der einzelnen Sorten anzugeben. Das würde nämlich als Werbung gewertet. Aufklären, mündige Patienten ... unerwünscht!

 

Die Abgabe von THC-Hanf an Jugendliche bliebe auch nach dem Legalisieren verboten, klar. Wenn unbedingt ab 18 (und nicht 21), dann bitte nur "Anfänger-Sorten", die weniger THC, dafür aber mehr CBD (Cannabidiol) enthalten. CBD kann (in ausreichenden Mengen) den THC-Rausch abbremsen und das Risiko einer THC-bedingten Schizophrenie oder anderer Psychosen deutlich senken. Außerdem: Wer sich beim Kiffen nicht verstecken muss, kann in Ruhe Kiffen. In Ruhe kiffen ist viel gesünder! Und wenn doch mal Panik ausbricht, kann schneller geholfen werden.

 

Hanf legal bedeutet auch eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz von Hanfpatienten. Außerdem handeln Hanfpatienten bisher nur dann legal, wenn sie einen Arzt finden, der ihnen Hanf verschreibt (Nutzhanf bzw. CBD-Hanf kann auch jetzt schon ohne den Umweg über Arzt und Apotheke legal erworben werden). Hanfmedizin legal bedeutet Hanfforschung legal. Da die Wissenschaft gerade einmal ansatzweise versteht, wie Cannabinoide in unserem Körper wirken, besteht auf diesem Forschungsgebiet dringend Nachholbedarf.

 

Eine Legalisierung bringt auch den Hanfbauern / dem Nutzhanf mehr Akzeptanz und mehr Freiheiten. Wir können es uns nicht leisten, eine der wichtigsten Nutzpflanzen unseres Planeten durch eine THC-Hysterie auszubremsen, die durch nichts zu rechtfertigen ist.

Warum müssen Hanfbauern ihre Felder einzäunen oder Schilder aufstellen? Warum dürfen nur Vollerwerbslandwirte Nutzhanf anbauen?

 

 

Artikel der Wirtschaftswoche von 2015 "Plädoyer für die Cannabis Freigabe"